Interviews beim Feminist Futures Festival: Sarah Wansa, Jelena Miloš, Barbara Fried

Die politische Lektion, die wir "Caliban und die Hexe"entnehmen können, lautet in der Tat, dass der Kapitalismus als sozio-ökonomisches System zwingend auf Rassismus und Sexismus angewiesen ist. Denn der Kapitalismus muss die Widersprüche, die seinen gesellschaftlichen Verhältnissen innewohnen, rechtfertigen und mystifizieren: Seinem Freiheitsversprechen steht die Realität weiterverbreiteten Zwangs, seinem Wohlstandsversprechen, die ebenso weiterverbreiteten Elends gegenüber. Der Kapitalismus rechtfertigt und mystifiziert solche Widersprüche, indem er die „Natur“ derjenigen, die er ausbeutet, verunglimpft, also die der Frauen, der kolonialen Subjekte, der Nachkommen afrikanischer Sklaven und der von der Globalisierung entwurzelten Migranten und Migratinnen. Den Kern des Kapitalismus macht nicht nur die symbiotische Beziehung zwischen vertraglich geregelter Lohnarbeit und Versklavung aus, sondern auch die damit einhergehende Dialektik von Akkumulation und Vernichtung der Arbeitskraft.  Dafür haben Frauen einen hohen Preis gezahlt: mit ihren Körpern, ihrer Arbeit und ihrem Leben.
Es ist daher ausgeschlossen, den Kapitalismus mit irgendeiner Form der Befreiung in Verbindung zu bringen oder die Langlebigkeit des Systems aus seiner Fähigkeit zur Befriedidung menschlicher Bedürfnisse zu erklären. Wenn der Kapitalismus in der Lage gewesen ist, sich zu reproduzieren, dann nur aufgrund der Ungleichheit, die er in den Körper  des Weltproletariats integriert hat, sowie aufgrund seiner Fähigkeit, die Ausbeutung zu globalisieren. Dieser Vorgang entfaltet sich noch heute vor unseren Augen, wie er es die letzten fünfhundert Jahrelang  getan hat.
Der Unterschied besteht darin, dass der Widerstand dagegen heute ein globales Ausmaß angenommen hat.
aus: Caliban und die Hexe von Silvia Federici

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Sarah Wansa arbeitet im 2017 eröffneten Büro der Rosa Luxemburg Stiftung in Beirut. Sie konzentriert sich in dem Interview besonders auf die Anfänge ihrer politischen Arbeit, in der sie im Rahmen eines Jobs für eine NGO eine systematische Erfassung von geflüchteten Menschen in Haft erarbeitete, indem sie zahlreiche Besuche und Befragungen in Gefängnissen durchführte. „Der Staat entscheidet wer sichtbar und wer unsichtbar ist“. Bis heute arbeitet sie daran, diese Geschichten sichtbar zu machen. Hier geht's zum Interview
Jelena Miloš ist aktiv bei der Plattform Zagreb je NAŠ, ein Zusammenschluss von Aktivist*innen und Parlamentarier*innen in Zagreb. Es geht darum, Forderungen aus den sozialen Bewegungen direkt in die lokalen politischen Handlungsräume zu tragen, dort entscheidend mitzuwirken, gleichzeitig aber dem Kollektiv verpflichtet zu bleiben. Wie sie bereits politische Strukturen verändern konnten, ohne dabei die üblichen Kompromisse einzugehen, erzählt sie in diesem Interview.

Dr. Barbara Fried ist Leitende Redakteurin der Zeitschrift «LUXEMBURG» der Rosa Luxemburg Stiftung und ist Mitorganisatorin des Feminist Futures Festivals 2019. Sie erklärt in diesem Interview den intersektionalen Charakter des Festivals und der internationalen feministischen Bewegungen. Dabei gibt sie einen ersten Einblick in das weite Spektrum der Thematiken, die in der zur Zeit global anwachsenden feministischen Bewegung verhandelt werden.

 

Susanne Fasbender

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