# L277 Sieh das weite Land, das sie abreißen wollen

Sieh das Video: Unvergessene Fahrt auf der L277 nach Immerath im Sommer 2014
Das Bündnis Alle Dörfer BLEIBEN wehrt sich gegen den voranschreitenden Ausbau des Tagebaus Garzweiler 2: Am 20.7.2020 beginnt RWE mit dem Rückbau der schönsten Strasse im Rheinischen Braunkohlenrevier, der L277. Früher führte sie zwischen den Dörfern Borschemich, Immerath und Pesch im Osten und Kuckum, Keyenberg, Unterwestrich, Oberwestrich, Berverath, Lützerath und Holzweiler im Westen entlang. Diese Strasse war bei den Dreharbeiten zur Trilogie BRAND meine erste Begegnung mit den Abrißdörfern Pesch, Immerath und Borschemich. Heute sind diese abgerissen. Der Immerather Dom, der weit über das Land zu sehen war, wurde 2018 zerstört. Von allen anderen Dörfern soll nach der Planung nur Holzweiler stehen bleiben. Immer noch darf RWE sich auf das Bergrecht berufen, das den Abriß der Dörfer mit dem "Wohle der Allgemeinheit" begründet sowie mit der "Versorgung des Marktes mit Rohstoffen, der Erhaltung der Arbeitsplätze im Bergbau" und dem "Bestand oder der Verbesserung der Wirtschaftsstruktur". Völlig unbeirrt von den jahrzehntelangen Protesten der Bevölkerung und der Umweltbewegung wird RWE's, - ehemals Rheinbrauns - Abbaggerungskonzept des Rheinischen Braunkohlenreviers, das in seiner heutigen Form ca. i.J. 1950 begonnen wurde, durchgezogen. Dabei bleiben Klimawandel und Naturzerstörung die ewig externalisierten Nebeneffekte kapitalistischer Produktion, die selbstverständlich auf dem Rücken der Bevölkerung von dieser getragen werden müssen. Dass der Schutz derartig gigantischer Landschaften nicht dem Wohle der Allgemeinheit zu dienen scheint, dass die Zerstörung bester landwirtschaftliche Lößböden und weiterer wunderschöner uralter Dörfer mit ihren vielen Baudenkmälern heute noch möglich ist zeigt die tiefe Spaltung zwischen Kapital und Bevölkerung, die eher größer als geringer zu werden scheint und auch mit den klimatechnischen "Lösungen" eines Green New Deals auf derselben Wachstumslogik aufbauen wird,  dieselben Ungleichheiten benötigen wird, die seit jeher den stetigen Zugriff auf das Land und die Körper anderer Bevölkerungen im globalen Rahmen möglich machen.

 

 

Verschwindende Orte – etwas Kooperation

Landkarte, ausgestellt in „Verschwindende Orte oder was uns retten kann“, einem Theaterstück von Eva Maria Baumeister Bild: ©brandfilme.org 2019

Diese Landkarte enthält ca. 80 Orte inkl. Mühlen und Weiler, die seit den 1950er Jahren für den Braunkohlenabbau weggebaggert wurden, sowie die Orte von Garzweiler II, die die Initiative „Alle Dörfer bleiben“ noch retten will. Sie wurde von mir für den Film BRAND II, den Film über die Dörfer, ausgearbeitet und gebaut und findet nun auch Verwendung im Bühnenbild des Theaterstückes „Verschwindende Orte oder was uns retten kann“ von Eva Maria Baumeister. Zusätzlich sind auf dem Bild hier in rot noch die vom Tagebau Garzweiler II betroffenen Orte am Rande des Tagebaues zu sehen.

„Verschwindende Orte oder was uns retten kann“ Theaterstück von Eva Maria Baumeister hier mit dem Chor, der in BRAND II die Entwidmung des „Immerather Doms“ begleitet hat: Kirchenchor Tenholt/Granterath/Hetzerath Foto:©brandfilme.org 2019

Es hat mich sehr gefreut, als Eva Maria Baumeister mich aufgrund des Films BRAND II kontaktierte um sich mit mir über ihr geplantes Theaterstück auszutauschen, was sich nach einem ausgiebigen Treffen als sehr fruchtbar erwies:

Ausschnitte aus den brandfilme-Interviews mit Marlies Bereit (BRAND I und BRAND II), der alten Dame des Kirchenvorstandes des „Immerather Doms“, Kirche St. Lambertus, und Ausschnitte aus dem Interview mit Elisabeth Hoffmann-Heinen (BRAND II), die in den 1980er Jahren in der Initiative „Stop Rheinbraun“ sehr aktiv war und nun auch bei „Alle Dörfer bleiben“ wieder mitarbeitet, werden nun in diesem Theaterstück als Tondokumente auf die Bühne gebracht.

Marlies Bereit war in dem Interiew, das ich in ihrem Haus in Immerath-Neu im Jahr 2014 mit ihr durchführte, von Trauer erfüllt, den Tränen sehr nahe, doch sie versuchte tapfer, ihre Gefühle so wenig wie möglich zu zeigen. Ihr Mann war kurz nach der Umsiedlung plötzlich und unerwartet verstorben und auch sie verstarb im Jahr 2015. Ich bin dankbar dafür, ihre Stimme in meinen Filmen verewigt haben zu dürfen.

Susanne Fasbender

Kreative Verkehrswendeaktionen ohne Label

Foto: #autofrei #Verkehrswende #blockVW

Interview Jörg Bergstedt in der Projektwerkstatt Saasen ©brandfilme

JÖRG BERGSTADT ist Umweltaktivist und Aktionsstratege und spricht in diesem Interview über die Ursprünge und das Konzept der Projektwerkstatt Saasen als offener Raum für alle, die Aktionen durchführen wollen, über die Bedeutung von kreativen und inhaltsreichen Verkehrswendeaktionen an den Beispielen Gießen und der VW-Blockade 2019 und erläutert seine Sicht auf die Entwicklung von Aktionskonzepten, labelfreie Großaktionen und warum sie ohne Label mehr Wirkung entfalten können.

Interviews beim Feminist Futures Festival: Sarah Wansa, Jelena Miloš, Barbara Fried

Die politische Lektion, die wir "Caliban und die Hexe"entnehmen können, lautet in der Tat, dass der Kapitalismus als sozio-ökonomisches System zwingend auf Rassismus und Sexismus angewiesen ist. Denn der Kapitalismus muss die Widersprüche, die seinen gesellschaftlichen Verhältnissen innewohnen, rechtfertigen und mystifizieren: Seinem Freiheitsversprechen steht die Realität weiterverbreiteten Zwangs, seinem Wohlstandsversprechen, die ebenso weiterverbreiteten Elends gegenüber. Der Kapitalismus rechtfertigt und mystifiziert solche Widersprüche, indem er die „Natur“ derjenigen, die er ausbeutet, verunglimpft, also die der Frauen, der kolonialen Subjekte, der Nachkommen afrikanischer Sklaven und der von der Globalisierung entwurzelten Migranten und Migratinnen. Den Kern des Kapitalismus macht nicht nur die symbiotische Beziehung zwischen vertraglich geregelter Lohnarbeit und Versklavung aus, sondern auch die damit einhergehende Dialektik von Akkumulation und Vernichtung der Arbeitskraft.  Dafür haben Frauen einen hohen Preis gezahlt: mit ihren Körpern, ihrer Arbeit und ihrem Leben.
Es ist daher ausgeschlossen, den Kapitalismus mit irgendeiner Form der Befreiung in Verbindung zu bringen oder die Langlebigkeit des Systems aus seiner Fähigkeit zur Befriedidung menschlicher Bedürfnisse zu erklären. Wenn der Kapitalismus in der Lage gewesen ist, sich zu reproduzieren, dann nur aufgrund der Ungleichheit, die er in den Körper  des Weltproletariats integriert hat, sowie aufgrund seiner Fähigkeit, die Ausbeutung zu globalisieren. Dieser Vorgang entfaltet sich noch heute vor unseren Augen, wie er es die letzten fünfhundert Jahrelang  getan hat.
Der Unterschied besteht darin, dass der Widerstand dagegen heute ein globales Ausmaß angenommen hat.
aus: Caliban und die Hexe von Silvia Federici

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Sarah Wansa arbeitet im 2017 eröffneten Büro der Rosa Luxemburg Stiftung in Beirut. Sie konzentriert sich in dem Interview besonders auf die Anfänge ihrer politischen Arbeit, in der sie im Rahmen eines Jobs für eine NGO eine systematische Erfassung von geflüchteten Menschen in Haft erarbeitete, indem sie zahlreiche Besuche und Befragungen in Gefängnissen durchführte. „Der Staat entscheidet wer sichtbar und wer unsichtbar ist“. Bis heute arbeitet sie daran, diese Geschichten sichtbar zu machen. Hier geht's zum Interview
Jelena Miloš ist aktiv bei der Plattform Zagreb je NAŠ, ein Zusammenschluss von Aktivist*innen und Parlamentarier*innen in Zagreb. Es geht darum, Forderungen aus den sozialen Bewegungen direkt in die lokalen politischen Handlungsräume zu tragen, dort entscheidend mitzuwirken, gleichzeitig aber dem Kollektiv verpflichtet zu bleiben. Wie sie bereits politische Strukturen verändern konnten, ohne dabei die üblichen Kompromisse einzugehen, erzählt sie in diesem Interview.

Dr. Barbara Fried ist Leitende Redakteurin der Zeitschrift «LUXEMBURG» der Rosa Luxemburg Stiftung und ist Mitorganisatorin des Feminist Futures Festivals 2019. Sie erklärt in diesem Interview den intersektionalen Charakter des Festivals und der internationalen feministischen Bewegungen. Dabei gibt sie einen ersten Einblick in das weite Spektrum der Thematiken, die in der zur Zeit global anwachsenden feministischen Bewegung verhandelt werden.

 

Susanne Fasbender

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Dannenröder Waldbesetzung

Die Waldbesetzung im Dannenröder Wald besteht seit Oktober 2019 und richtet sich gegen den Bau einer Autobahntrasse der A49 in Hessen.

Dannenröder Waldbesetzung Filmstill aus dem Video ©brandfilme.org

Die Aktivist*innen kämpfen setzen sich für eine Verkehrswende ein

Zeitzeugin der Braunkohle

AURELIA KIRSCHBAUM war 40 Jahre lang Krankenschwester in Grevenbroich, nahe dem Kraftwerk Frimmersdorf. Sie kämpfte Jahrzehnte

Aurelia Kirschbaum Link zum Interview ©brandfilme 2018

für eine Aufklärung der Gesundheitsschäden durch die Braunkohlekraftwerke, und dokumentierte als Zeitzeugin eine wachsende Zahl von Krebserkrankungen in der Umgebung.

Uranabbau auf Diné (Navajo) Land

LEONA MORGAN  Leona Morgan, eine Diné berichtet von dem durch Uranabbau

Leona Morgan Uranium Mining on Diné (Navajo) Land Link to the Interview ©brandfilme 2018

kontaminierten Land der Diné (Navajo) Kultur in New Mexico. Sie kam nach Deutschland um ihre Kämpf gegen Uranabbau mit dem hiesigen zu verbinden, denn auch Uran ist nicht kohlefrei, und auch das europäische Unternehmen URENCO (1/3 RWE und EON) betreibt Urananreicherung in New Mexico. "How do we make our fights one?"

Sudan: Überleben bei 50°

NESSRIN HAMDOON war eingeladen auf das Klimacamp Rheinland 2018 und berichtet in diesem Interview vom Klimawandel im Sudan:

Nessrin Hamdoon Klimacamp im Rheinland: Interview ©brandilme.org

Menschen können bei 50° schwer überleben und das Klimachaos zerstörte bereits 18 Mio. ha landwirtschaftlicher Fläche.

NGO’s im Hambacher Forst

Eine andere Perspektive auf “hambi bleibt” als Massenbewegung Luna und Mike von der Hambacher Forst Waldbesetzung im Gespräch mit

Luna und Mike vom Hambacher Forst über Hambi bleibt als Massenbewegung Interview ©brandfilme

brandfilme.org am 7.10.2018 über das Verhältnis der NGO's, die zur Großdemo am 6.10.2018 im Hambacher Forst aufgerufen hatten zu dem politischen Kampf der Waldbesetzung.

Hambi bleibt: Das Politische und die kommende Räumung

LUNA ist Aktivistin im Hambacher Forst und gibt un diesem Interview, das einige Wochen vor

Luna vom Hambacher Forst über die Räumung Interview ©brandfilme

der Räumung des Hambacher Forstes stattfand ein Statement zu dem politischen Kampf der Waldbesetzer*innen, denen es um weit mehr als um die alleinige Rettung des Hambacher Forstes geht.