Deine Bildkompositionen überraschen anfangs sehr, weil Bild und Kommentar nicht synchron zu laufen scheinen, bis „man“ mehr und mehr dein Erzählkonzept zu verstehen beginnt. Endgültig wird dann deine Absicht mit dem Zitat von Detlef Hartmann klar:
„(…) die Kolonisierung der Augen und Hirne und die logische Gleichförmigkeit der Wahrnehmungsorganisation ist vielleicht der entscheidendste Angelpunkt kapitalistischer Herrschafts- und Verwertungssicherung. (…)
und ich stimme dir voll zu, wenn du ihn weiter sagen lässt: "Sie wird bislang sträflich in der politischen Analyse vernachlässigt.“ Du hast uns deine eigene Wahrnehmungsweise vor Augen geführt und das ist eine große Stärke und ein Verdienst deines Films.
Christian Lehmann-Feddersen
Reise gegen die Zeit
On War and Minds (pt. 1)
Essay & Film von Isus, 82 Minuten
"On Wars and Minds" ist die erste Folge der Reihe "Reise gegen die Zeit". In einem einzigen Erzählstrom von Sprechen, Bildern und Musik, verwoben mit den Protesten gegen die wirtschaftliche und kulturelle Militarisierung der deutschen Gesellschaft und Jugend und unterlegt von einer Fahrt zu den G7-Protesten 2022, die im letzten Teil der Filmreihe erst ihr Ziel in Elmau erreichen wird, offenbaren historische Ereignisse aus deutscher Vergangenheit oder im Bezug zu ihr, ihre gewaltvolle Gegenwärtigkeit im Heute, eine Gegenwärtigkeit, die in "unserem" gesellschaftlichen Konzept von Geschichte auf Vergessen, Verdrängen und Leugnung beruht.
Anhand der Bilder aus Gaza deutet der Film zu Beginn auf die technologische Ebene der gesellschaftlichen Wahrnehmung von Gewalt und verfolgt im weiteren eine Spur historischer Narrative. Er stellt einen historischen Bezug zur Entstehung der Bonner Republik und zur bundesdeutschen Wiederbewaffnung her und untersucht unter dem Aspekt des deutschen Engagements im Krieg in Gaza die Narrative zu dessen Legitimation. Die Frage nach Leugnung und Vergessen wird durch ein Erinnern an den Völkermord an den Armeniern behandelt. Die ungewöhnliche Verknüpfung der verschiedenen topics, die zeitlich weit auseinander liegen, bis hin zu den heutigen antimilitaristischen Protesten der Jugend ergeben ein Gesamtbild als Reise gegen die Zeit, in dem die verwobenen Beziehungen jenseits des zeitlichen Erscheinens in den historischen Blick rücken. Anfragen bitte an isus (at) ik.me
