ENDE DER GEWALT der nächste Film von brandfilme 2024

Foto: Bettina Cruz Velazquez (CNI, Asamblea de Pueblo des Istmo) mit der „internationalistischen Karawane für globale Gerechtigkeit und zur Mobilisierung gegen den G7-Gipfel“ bei einer Kundgebung bei Schloss Elmau während des G7-Gipfels: „Ich gehöre zu einem indigenen Volk aus dem Süden Mexikos, und wir sind hier, weil wir den G7 sagen wollen, dass sie nicht die Herren der Welt sind, sondern dass sie sich als die Herren der Welt fühlen, weil sie hierher gekommen sind, um über unsere Zukunft zu entscheiden!“

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ENDE DER GEWALT

Streiten Verbinden Säen und Kämpfen

von Stella AC

In diesem Film verlangen wir das Unmögliche und blicken auf das Ende der Gewalt. Das Ende der Gewalt ist schon geschehen, inmitten der Barbarei, dem Klimawandel, der Zerstörung und Apokalypse. Es ist der Traum, der die Wirklichkeit bereits enthält, zu der uns das Bewusstsein fehlt oder die Handlungsmacht, diese Wirklichkeit zur Welt zu machen, um die Welt als Ganzes und von unten zu erneuern. Der Film negiert die Hegemonie der Antworten, die die Geschichte des Kapitalismus und des Patriarchats bis hin zu Kriegen und Klimawandel durchziehen und versteht den so oft beklagten Streit als eigentliche grundlegende Konstante ständigen Beginnens, als eine produktive Bewegungskraft in einer permanenten, unabgeschlossenen Auseinandersetzung mit den Widersprüchen in der Welt. Wir begegnen uns in Anerkennung aller Unterschiedlichkeit mit dem Ziel, gemeinsam die Welt von unten zu erneuern. Wie lässt sich der stets postulierte Sachzwang zu Kapitalismus und Krieg aufbrechen, um in diesem Bruch eine andere Saat zu säen?

Mit tötbar und dienstbar gemachter „Natur“ leben zu müssen, lenkt den Blick auf die vielfältig miteinander verwobenen Seinsformen des Lebens. Wir verfolgen täglich, wie menschliche und außermenschliche Subjekte dem sogenannten Sachzwang der Profitlogik preisgegeben werden und aus ihren komplexen Vernetzungen und Ineinander-Verbundenheiten in Boden, Luft und Wasser vertrieben, extrahiert und vernichtet werden. Zugleich treibt eine entfesselte Militarisierung die ständig anwachsende Verwendung fossiler Energieträger voran und steht dabei in fatalem Zusammenhang mit einem Rückgang möglicher Klimaschutzmassnahmen. Die Szenarien Krieg und Klimakatastrophe entfalten sich vor unseren Augen.

In Ende der Gewalt erkunde ich die Verhältnisse, die diese Dynamik enthalten  und begebe mich auf die Suche nach möglichen Ursprüngen von Klimawandel, Krieg  und Naturzerstörung, "denn die Art, in der wir die Ursprünge einer Krise  begrifflich fassen, hat sehr wohl damit zu tun, wie wir auf diese Krise zu reagieren beabsichtigen“ 1

Der Film entsteht mit einer Vielzahl von Stimmen von Denker*innen und Kämpfer*-innen, Krieger*innen, Forschenden, Lehrenden, Schreibenden im Gespräch und in ihren Reden, die ihre Arbeit und ihr Leben einer Gegenwart widmen (widmeten), in der die Keime einer vom Ökozid/Genozidkomplex, von eurozentrischen Hegemonien des Wissens und Denkens befreiten Praxis und möglichen Welt auch zugleich die Samen und die Kraft ihres täglichen Lebens sind. Die Begegnungen, Aufnahmen und Interviews entstanden während mehrerer Jahre an verschiedenen Orten. Mögen diese Menschen streitbare Unterschiede in ihren Vorstellungen, Theorien und Herangehensweisen haben, so finden wir unsere Verbindung im Kämpfen darum, die Welt von unten zu erneuern.

Aktivist*innen und Forschende antikolonialer Kämpfe hier und dort, Frauen der kurdischen Autonomiebewegung, indigene Feminist*innen aus Abya Yala (Südamerika), der argentinischen feministischen Bewegung Ni Una Menos, Proteste zu Afghanistan, Nigeria, Namibia und aus Deutschland, sowie Interviews mit Künstler*innen aus Haiti, dem Kongo und aus Marokko thematisieren Kämpfe und Überlegungen zu politischer Gewalt. Die Vielzahl der hier aufgeführten Länder soll weniger für Verwirrung sorgen, als die historisch befestigte Linie - Patriarchat und Kapitalismus –, die in diesen Kämpfen über die Entfernungen hinweg die Barriere bildet, verdeutlichen.

Ende der Gewalt blickt in ein verworrenes, von Gewalt und Kämpfen, barbarischen Unterscheidungen, von Patriarchat, Rassismus, Kapitalismus und Krieg, von Wissen und Kultur, unzerstörbarem Leben und widerständigen Gesellschaften, von Erzählungen und Poesie gewebtes Netz des Lebens, dem zugleich bei aller Geschichte ein permanenter Anfang innewohnt. So verbleiben wir, mit unverrückbarem Blick auf das Ende der Gewalt.

Stella AC, Februar 24

1Jason Moore, Kapitalismus im Lebensnetz