über brandfilme.org

"Allein durch die Zahlen, das vorhandene Budget, ist der Film politisch"
Marguerite Duras ca. 1969 in dem Film "Nouvelle Vague und Feminismus" von Callisto Mc Nulty, 2019

 

brandfilme.org wurde als Produktionslabel für künstlerische und frei finanzierte  Filme und Videos zeitgleich zur Veröffentlichung der Filmtrilogie BRAND von mir, Susanne Fasbender, gegründet. In variierender Zusammenarbeit mit anderen Autor*innen, Künstler*innen oder Aktivist*innen, aber auch immer wieder mit aufgrund ihrer eigenen Aktivitäten interessierten Personen, die die Filme ansehen und selbst verbreiten, entstehen meine nächsten dokumentarisch-essayistischen Arbeiten zu Fragen der Naturzerstörung.
Dabei möchte ich den Kontrast zwischen einerseits gründlicher Recherche und tiefgehenden Interviews mit Theoretiker*innen und Praktiker*innen und andererseits einer künstlerischen, radikal-subjektiven Bild- und Tonsprache in den kommenden Arbeiten weiterentwickeln und zuspitzen. Da ist zum einen der unmittelbare künstlerische Ausdruck in Bild, Bewegung und Ton, zum anderen bemühe ich mich um einen soliden Gegenentwurf zu einer auf wenige Begriffe konzentrierten Realitätserfassung von komplizierten Zusammenhängen, die sich, z.B. auf die Umwelt bezogen, in den großen Konsens  der "nachhaltigen Entwicklung" einfügen ohne die umfassende Wirklichkeit dahinter zu befragen.
Wie diese Kombination gelingen wird, wird sich erst in der Entstehung zeigen: Im Zentrum des nächsten Langfilms steht der Green (New) Deal, bezogen auf Umweltgeschichte und den Weg dorthin. Das Verhältnis zwichen dem Green Deal, Natur und Naturzerstörung wird ausführlich untersucht.

.

Die Frage der Finanzierung bedarf einer genaueren Betrachtung, denn es geht hier nicht nur um die Ressource Geld, sondern um den gesamten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Kontext, mit dem Filmförderungen von Drehbuch-, Produktions-, Postproduktions- bis hin zu Verleihförderungen verbunden sind.

.

"Film ist ein investitionsintensives Wirtschaftsgut. Dies gehört zu seiner Wirklichkeit, genauer: zur Realität vor dem Kino, die freilich seine Bilder, seine Bildwirklichkeit beeinflußt, sei es durch Einrede oder Eingriff der Investitoren, sei es durch die selbstauferlegte Prophylaxe des Filmers, sei es durch dessen wirtschaftliche (und damit kinematographische) Kaltstellung. Selbst die Befreiung des Underground Cinema, der Kooperativen unabhängiger Filmemacher von den Investitoren des großen Kapitals bestätigt die konstanten industriellen Produktionsbedingungen von Film."
Peter W. Jansen, Das Bild von der Rückseite des Mondes, Akzente 15. Jg, 1968
.

Bilder Versenken 1998/2006 ©susannefasbender

Videokunst als Antwort auf die Wirkungsmacht des Medienapparates sowie Videos bzw. Filme als politisches Statement entwickelten sich seit dem Aufkommen der Videokamera in den 1960er Jahren. Das Schneiden von Videos ist durch die spätere Digitalisierung noch erschwinglicher geworden und die Veröffentlichung von Filmen im Internet ermöglicht neue Distributionsformen.
Dem Geld im Film wird ein Qualitätsmerkmal zugesprochen, das sich nicht auf Ästhetik, sondern auf ein gesellschaftliches Machtverhältnis bezieht. Filmemachen ohne Budget durch die staatliche Filmförderung hat im Sozialen und Ästhetischen einen anderen Charakter, weil es keine gesellschaftliche Macht gibt, die reproduziert werden muss (oder kann). Das bringt eine Wirkung im Innen- und Aussenverhältnis mit sich, auch weil persönliches Gebundensein an Machtbedingungen vielfach unterschätzt wird.  Aber nur da liegt für mich die Möglichkeit, unabhängig zu arbeiten und das Arbeiten in mein Leben zu integrieren, wie ich es als Künstlerin gewohnt bin. Das Finanzielle wirkt auf das Soziale: Es entsteht ein Ansatz, alle am jeweiligen Film Beteiligten als aktive Personen im Rahmen eines Gesamtwerkes zu verstehen, die mir eine gewisse Autorenschaft überlassen, nachdem sie sich mit dem ganzen Projekt und der Art und Weise meines Arbeitens auseinandersetzen konnten. Dieses Verständnis möchte ich entwickeln und verbessern. Ich glaube, dass die Chancen, die darin liegen noch weiter entdeckt werden können. Diese Art zu arbeiten dauert natürlich wesentlich länger, da nicht die gesamte Zeit alleinig dem Film gewidmet werden kann.  So ist auch der Supportaufruf unter Kontakt auf dieser Seite zu verstehen: Auf einer teilnehmenden Ebene auch in der finanziellen Förderung von brandfilme.org einen Ansatz des Zusammenarbeitens zu verfolgen. Dieser Weg der Förderung ist jetzt erstmal so angelegt. Inwieweit er sich umsetzt werden wir sehen.
 .
„Ich denke, dass dieses verwaltende, konservenhafte und profitorientierte Denken im Grunde alle Bereiche des Lebens vollkommen zerstört. Es gibt sicher Momente, wo man sich ohne Verlust in bestehende Ordnungen einfügen kann, aber es gibt auch Augenblicke, wo man das klar zurückweisen muss. Diese Freiheit sollte man sich unbedingt erhalten. Wenn man sie aber aufgibt, dann sollte man nicht Filme machen, denn dann hat man eigentlich nichts zu sagen“
Ulrike Ottinger, Werkstattgespräch in Filmbulletin 4/96
.